Demografischer Wandel – eine Zukunftsaufgabe

Im kommenden Jahrzehnt wird nahezu jede/r dritte Bürger/in Baden-Württembergs über 60 Jahre alt sein. Damit stellen sich Fragen zur Weiterentwicklung der Infrastruktur, Sicherung der Grundversorgung und anderem mehr. Auch in Müllheim…

Demografische Ausgangslage

Die Stadt Müllheim ist Mittelzentrum und die größte von insgesamt 50 Kommunen des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald. Neben 18.580 Bürger/innen in Kernstadt und Teilorten wohnen hier rund 750 Angehörige der Deutsch-Französischen Brigade, die unter das sog. Truppenstatut fallen.

Beleg für eine familienfreundliche Stadt sind rund 20 Kindertagesstätten (Krippen, Kindergärten) sowie mehr als ein Dutzend Bildungseinrichtungen mit allen weiterführenden Schularten, die von rund 5.000 Schüler/innen besucht werden. Die örtliche Versorgung reicht bis hin zu zwei Seniorenwohnheimen, einem Krankenhaus u.a.m.

Müllheim ist eine für junge Familien wie für ältere Bürger/innen gleichermaßen attraktive Stadt, gelegen zwischen Freiburg und Basel, in Grenznähe zur Schweiz und Frankreich. Das gesamte Markgräflerland gilt in Zeiten rückläufiger Bevölkerungszahlen immer noch als Zuzugsregion. Allerdings ist auch hier der demografische Wandel zu spüren:

Die Gruppe der unter 18jährigen zählt knapp 19%, während die 45-65jährigen mit 28% und die über 65jährigen mit 21% die zwei stärksten Altersgruppen stellen. Insofern gilt das bekannte Bild der „Kopf stehenden“ Alterspyramide auch in Müllheim.

Dieser Entwicklung ist Rechnung zu tragen durch Sicherung der Versorgung (Gesundheit und Pflege, ÖPNV u.a.m.), Quartiersentwicklung oder auch generationsübergreifende Modelle der Zusammenarbeit. Zum anderen ist die Qualität als Bildungsstandort und attraktiver Wohnort für die ganze Familie zu erhalten, dies beinhaltet insbesondere den quantitativen und qualitativen Ausbau der Betreuungsangebote (U3, Ganztagsangebote, neue Bildungsangebote).

Die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund ist selbstverständlich auch in Müllheim, lange Jahre Standort eines Übergangswohnheims, ein Thema. So weisen einige Schulen einen Anteil von über 30% oder z.B. ein Kindergarten einen Anteil von 70% nicht deutschstämmiger Kinder auf.

Ansprechpartnerin der Stadt Müllheim:

Marion Kampmann, Leiterin FB 51 “Ehrenamt, Senioren, Integration” –
mkampmann@muellheim.de
Tel.: (07631) 801-157.

Arbeitsstand in der Kommune

Aktivitäten und Projekte

Zu nennen sind insbesondere

  1. die Weiterentwicklung eines zentral gelegenen Baugebiets, in welchem u.a. eine sechsgruppige Kindertagesstätte (5 U3-Gruppen, 1 Ganztagskindergartengruppe) entsteht,
  2. ebenso wird in diesem Baugebiet auf Belange von Senioren geachtet werden.
  3. In den Kindergärten und Schulen sind zum Thema Integration seit vielen Jahren umfangreiche Angebote zur Sprachförderung etabliert,
  4. für Erwachsene offeriert die Volkshochschule entsprechende Kurse.
  5. Über die Lokale Agenda 21 entstanden verschiedene Initiativen, die sich den Bedürfnissen der Bürger und ihrer Kommune widmen (so z.B. PC-Kurse für Senioren),
  6. Gegründet wurde ferner ein „Tafelladen“ (Markgräfler Tafel), der schnell unverzichtbar wurde für die Versorgung sozial schwächerer Bürger/innen (darunter viele Migrantenfamilien).
  7. Ein Arbeitskreis „Soziales“ hat sich aufgrund stetig steigender Mieten und Zwangsräumungen mit dem Thema Obdachlosigkeit beschäftigt. Dies führte zur Gründung des Dekan-Doleschal-Hauses, in welchem vorübergehend Wohnungslose betreut werden.
  8. Ins Leben gerufen wurde auch ein Arbeitskreis „ÖPNV“.
  9. Die Diakonische Initiative „unBehindert miteinander leben“ sensibilisiert u.a. für Inklusion im Alltag, Barrierefreiheit (z.B. Fußgängerzone, Bahnhof) u.a.m.,
  10. Im November 2012 startete das Forum „Bildung und Betreuung“, das sich unter dem Motto „Wir lassen kein Kind zurück“ dem lebenslangen Lernen widmet (Durchlässigkeit der Bildungswege, Lernen bis ins Alter, neue Lernformen u.a.m.). Dabei sind insbesondere Eltern und Schüler/-innen zur Mitarbeit aufgerufen. Mehr unter http://www.muellheim.de/index.php?article_id=19
  11. Aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklung und der damit einhergehenden Problematiken (Zersplitterung der Familien) hat sich an den Schulen ein zunehmender Bedarf an Schulsozialarbeit entwickelt. Die Stadt Müllheim ist aktuell die einzige Kommune im Landkreis, welche an allen Schularten Schulsozialarbeiterstellen vorzuweisen hat, so z.B. auch an den Grund- und Förderschulen (in ganz Baden-Württemberg haben dies nur ca. 8-12% der Kommunen).
  12. Durch den demographischen Wandel neue Themen/Aufgaben wie Vereine und Ganztagsschule, Ehrenamt für die Erfüllung sozialer Aufgaben u.a.m. entstanden.
  13. Die Stadt Müllheim hat 2013 den neuen Fachbereich Ehrenamt/Senioren/ Integration geschaffen; die Stelle ist ab 01.07.2013 besetzt und widmet sich insbesondere den Anforderungen des demographischen Wandels.

Bürgerbeteiligung

Es gab in den letzten Jahren Veranstaltungen zur bzw. zahlreiche Formen der Bürgerbeteiligung. Dies wird in Zukunft noch verstärkt werden, so z.B. bei der Entwicklung eines Leitbildes für die Stadt Müllheim (Zukunftswerkstätten).

Auch bei regionalen Entwicklungen wie dem Ausbau der Rheintalbahn, dem Thema Windkraft oder der Einrichtung einer Gemeinschaftsschule werden „Betroffene zu Beteiligten gemacht“.

Analyse und Bestandsaufnahmen

Im Bereich der Krippen, Kindergärten und Schulen erfolgt spätestens im Rahmen der Bedarfsplanung (alle zwei Jahre) eine detaillierte Betrachtung der Bedürfnisse, die in entsprechende Handlungsempfehlungen mündet. Der Bestand (Angebote in Qualität und Quantität) wird laufend fortgeschrieben.

Zur Abdeckung der übrigen Bereiche wurde nun u.a. der o.g. neue Fachbereich eingerichtet.

Leitbild, Handlungskonzept

… wird entwickelt werden.

Wichtige Akteure in der Kommune

Multiplikatoren und Schlüsselpersonen sind z.B. die Vertreter/innen der Kirchen, der rd. 250 Vereine, der Seniorenverbände, des Internationaler Beirats, der Lokalen Agenda 21, der „Markgräfler Tafel“ , des AK „Runder Tisch Soziales“, des AK „ÖPNV“, des AK „Vereinsleben“, des Forums „Bildung und Betreuung“ (mit vier AGs), des Dekan-Doleschal-Hauses u.a.m.;


Zukünftige Arbeitsfelder

Die demographische Entwicklung hat vielfältige Auswirkungen, so z.B. auf

1. Infrastruktur:

Attraktivität des Ländlichen Raums im infrastrukturellen Wettbewerb mit den Städten, z.B.

  • Bildungslandschaft:
    weniger Schüler = weniger Angebote = Gefährdung von Standorten; d.h.
    noch mehr Qualität in Schulausbildung, Integration,… notwendig (Kosten)
  • ÖPNV/Mobilität (Themen insbesondere älterer Bürger/innen),
    - steigende Anteile nicht-automobiler Bevölkerungsgruppen (sh. auch unten),
    - Rückzug des ÖPNV aus der Fläche?
    - Einschränkungen und Kostensteigerungen;
  • Nahversorgung, Serviceleistungen
    - gegenläufige Entwicklungen:
    Bevölkerungsrückgang <-> Maßstabsvergrößerung beim Einzelhandel
    - auch hier Gefahr: Rückzug aus der Fläche;
  • Wohnungsmarkt und Siedlungsflächenentwicklung:
    - Haushaltswachstum, aber auch –verkleinerung durch mehr Seniorenhaushalte;
    - wachsender Anteil an Haushalten aus anderen Kulturkreisen,
  • städtische Ver- und Entsorgungssysteme
    - kapitalintensive Fixkosten belasten weniger Endverbraucher;
    - Unterschreitung Wirtschaftlichkeitsschwellen: Privatisierungen?;
    - Umweltschutz.
  • Kultur- und Freizeiteinrichtungen:
    - sinkende Nutzerzahlen und Änderungen Nutzerstruktur;
    - Finanzierbarkeit und Tragfähigkeit von Einrichtungen;
    - Kommerzialisierung und Privatisierung als Ausweg?

2. Kumulation der Wirkungen von Bevölkerungsrückgang und Alterung,

  • steigender Bedarf nach Unterstützung, Betreuung, Versorgung, Pflege,..
  • Rückgang familiärer Strukturen und sozialer Netze (Ehrenamt?!),
  • sinkende finanzielle Spielräume sozialer Versicherungssysteme;
  • steigende Anteile nicht-automobiler Bevölkerungsgruppen.

3. Arbeitsmarkt:

  • wachsende Konkurrenz um qualifizierte Arbeitskräfte;
  • Gefahr der Wettbewerbsfähigkeit;

4. kommunale Finanzen:

  • höhere Leistungen bei rückläufiger Bevölkerungsentwicklung und
  • weniger Erwerbpersonen führen zu sinkenden Spielräumen;
  • abnehmende Beiträge und Gebühren;
  • Kosten lassen sich nicht parallel reduzieren (Fixkosten);
  • Anreize für Fachpersonal kosten;

5. Tourismusentwicklung:

  • Veränderte Nachfragestrukturen (Eventkultur, Wellness),
  • Pluralisierung der Nachfrage,
  • zielgruppenspezifische Angebote (z.B. für Senioren; künftig weniger Familien mit Kindern),
  • steigender Wettbewerb unter Kommunen,


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