Stadt Müllheim 1

Stolpersteine in Müllheim

06.04.2022

Buch »Stolpersteine in Müllheim« - Titel, Quelle: Jan-Peter Wahlmann

Steine, die erinnern

Wer durch die Hauptstraße in Müllheim geht, hat sie schon im Gehwegpflaster gesehen. Die kleinen quadratischen Messingplatten mit Namen und Daten verstorbener Mitbürger. Diese sogenannten »Stolpersteine« sollen an das Schicksal der Menschen erinnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.

Die Stolpersteine sind ein europäisches Kunstprojekt des Künstlers Gunter Demnig. inzwischen sind über 75.000 Stolpersteine in Europa verlegt – 25 davon in Müllheim. am Anfang stand ein Schulprojekt des Wirtschaftsgymnasiums Müllheim. Dieses wurde vom Ehepaar Inge und Rolf Schuhbauer, die sich seit vielen Jahren der Erinnerung an die jüdische Geschichte Müllheims verschrieben haben, begleitet. Da die Stolpersteine meist vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern der Opfer verlegt wurden, müssen sie bei Bauarbeiten temporär ausgebaut werden. Am 28.03.2022 wurde der Stolperstein von Isaak Günzburger wieder in den Gehweg vor dem Haus Hauptstraße 121 zurückverlegt. Damit sind die Stolpersteine wieder vollständig.

Diesem besonderen Moment wohnten neben dem Ehepaar Schuhbauer auch der Beigeordnete Günter Danksin, Jan Merk (Kulturdezernent und Museumsleiter), Sabine Lang (Fachbereichsleiterin für Tourismus und Veranstaltungen) sowie die Bauherren der Familie Früh und die Architektin Ulrike Gerth bei.

In einer kurzen Ansprache erinnerte Günter Danksin an die Vertreibung und Ermordung der Müllheimer Juden im Dritten Reich, indem er exemplarisch über das leben Isaak Günzburgers erzählte.

Buch »Stolpersteine in Müllheim« - mit Stolperstein, Foto: Jan-Peter Wahlmann
Buch »Stolpersteine in Müllheim« - mit Stolperstein, Foto: Jan-Peter Wahlmann

Das Büchlein zum Gedenken

Im Anschluss an die Steinverlegung wurde das Büchlein »Stolpersteine in Müllheim« vorgestellt. Es hat das Format eines Stolpersteins und beschreibt alle Steine und die damit verbundenen Schicksale in Wort und Bild. Die Idee zum Buchformat sowie die Fotos und die Gestaltung kamen von Jan-Peter Wahlmann (Designer und Fotograf AGD). Der Arbeitskreis »Jüdische Geschichte« hat die Texte dazu überarbeitet – insbesondere das Ehepaar Schuhbauer, Sabine Lang und Jan Merk.

Jan Merk betonte, dass es die Aufgabe der Stadt und des Museums sei, die Erinnerung an junge Menschen weiterzugeben. Der Arbeitskreis »Jüdische Geschichte in Müllheim« und der jüngst entstandene Verein »Erinnerungskultur Müllheim« wollen sich dieser Aufgabe annehmen.

»Immer wieder werden wir von Besuchern nach den Stolpersteinen gefragt«, bemerkte Sabine Lang, »da war es naheliegend, dieses Büchlein zu erstellen. Es passt in jede Hosentasche und ist somit schnell zur Hand, wenn man vor einem Stolperstein steht.«

Orte des Gedenkens und des Begegnens

Inge Schuhbauer erinnerte an die jahrzehntelange Geschichtsarbeit seit den 1980er Jahren und nahm die Buchvorstellung zu Anlass, einen Herzenswunsch zu äußern. Sie wünscht sich schon seit Jahren, dass der »Schandfleck in Müllheim« wie sie das kleine Häuschen an der Ecke Werderstraße/Am Lindle nennt, endlich zu einer Stätte der Erinnerung und der Begegnung wird. »Breisach hat so einen Ort und sulzburg auch.« So eine Stätte sollte eine Ergänzung zum Museum und den Gedenkstätten auf dem jüdischen Friedhof und am Platz der ehemaligen Synagoge sein.

Seit 1. April im Handel

Das Büchlein »Stolpersteine in Müllheim« (ISBN 978-3-940552-09-9) kann seit 1. April in der Tourist-Info, im Markgräfler Museum sowie in der Buchhandlung Beidek für 4,90 EUR erworben werden.