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Neujahrsrede der Bürgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich 2019PDF 90 kB

Das war der Neujahrsempfang 2019

Nachdem der Empfang im vergangenen Jahr aufgrund der Erkrankung der Bürgermeisterin kurzfristig abgesagt werden musste, konnte Bürgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich in diesem Jahr wieder mehr als 600 Bürgerinnen und Bürger sowie Gäste aus der Region zum Müllheimer Neujahrsempfang im Bürgerhaus begrüßen, der diesmal unter dem Motto “Entscheidungen” stand. Wieder gab es ein abwechslungsreiches Programm, mit einer musikalischen Einstimmung, der Neujahrsrede, einem Showteil sowie dem „Neujahrswunschgespräch.“

Schon früh setzte der Besucherstrom ins Bürgerhaus ein. Ein Glas Wein, ausgeschenkt von den Hügelheimer Trachtendamen, erste Gespräche und die mittlerweile bereits traditionellen Neujahrsweckle warteten auf die Gäste, darunter Vertreter aus Politik, Industrie und Handel, der Kirchen, Schulen, Vereine und der Rettungsdienste sowie der Deutsch-Französischen Brigade. Auch Müllheims Partnerstadt Hohen Neuendorf war durch Bürgermeister Apelt und seinen Beigeordneten Alexander Tönnies vertreten. Sie alle waren gespannt auf die Themen, die die Bürgermeisterin anlässlich des diesjährigen Mottos „Entscheidungen“ auf die Bühne bringen würde. Doch zunächst wurden die Gäste durch das Musikschulorchester der städtischen Musikschule musikalisch auf den Abend eingestimmt. Unter der Leitung von Christiane Stolzenbach beeindruckten die jungen Musiker das Publikum mit der Aufführung eines Bauerntanzes von Edvard Grieg und einem Stück aus der West Side Story von Leonard Bernstein.

Die Neujahrsrede – Mut zur Entscheidung

Von der politischen „Großwetterlage““ bis hin zu den Müllheimer Themen reichte der Bogen in der Neujahrsrede der Bürgermeisterin, die sie unter die Überschrift „Rendezvous mit der Entscheidung“ gestellt hatte. Und ein Rendezvous gab es dann auf der Bühne auch mit einer die Entscheidung symbolisierenden Schaufensterpuppe, mit deren Hilfe sie dem Publikum den mitunter schwierigen und langwierigen Prozess der Herbeiführung von Entscheidungen demonstrierte.

Die Rede war denn auch ein Appell für mehr Entscheidungsfreude in der Gesellschaft und in der Politik, sie rief zu mehr Mut und Standfestigkeit gerade bei unpopulären Entscheidungsinhalten auf: “Entscheidungen sind eine Summe aus Intuition und Wissen”. “Und diese Summe umfasst auch immer Zweifel und ein Risiko. Für mich ist das größte Risiko einer Entscheidung jedoch das, dass sie nicht getroffen wird!”

Dabei ließ sie auch Kritik an der Durchführung so mancher Projekte in Müllheim durchblicken, wenn Entscheidungen durch einen manchmal schier unendlichen Abwägungsprozess, durch die Beteiligung unzähliger Behörden und Institutionen, deutlich verzögert werden. Gerade die Konsensdemokratie führe ihrer Meinung nach dazu, dass zwar alle beteiligt werden, rasche Entscheidungen aber nahezu unmöglich sind und durch die langen Zeitläufe Unzufriedenheit entstehe, da die erkennbaren Fortschritte fehlen. Beispielhaft dafür stehe die Entwicklung des neuen Baugebiets „Am Langen Rain“ – statt schnell dringend erforderlichen Wohnraum schaffen zu können, wurde diese Entscheidung von der Beteiligung und dem Wissen der Vielen fast gelähmt. Immerhin nimmt das Projekt in diesem Jahr nun endlich Fahrt auf, der Spatenstich für die Erschließungsarbeiten soll nach den Sommerferien erfolgen.

Eine weitere Entscheidung, die in der Stadt viel und kontrovers diskutiert wurde, aber nach Überzeugung der Bürgermeisterin eine gute Entscheidung war, die aus „guten Gründen“ getroffen wurde“, ist der Umbau des Sparkassenareals. Der künftige Sparkassenpark biete eine große Chance für die Innenstadtentwicklung, mit der man neues Leben in die Innenstadt bringen und damit auch Gastronomie und Handel stärken könne. Thema war auch der Hochwasserschutz entlang des Klemmbachs und im Bereich neuer Gewerbegebiete. Hier habe man Entscheidungen übergeordneter Stellen hinterfragt und selbst ganz gezielt eigene Untersuchungen mittels modernster Technik durchführen lassen, die nun helfen, entsprechende Baumaßnahmen zu planen.

2019 wird ein Jahr mit weiteren weitreichenden Entscheidungen sein, kündigte sie an. Da wären beispielsweise die Schaffung von Wohnraum auf dem BIMA-Gelände, die Sanierung der Realschule und der Ausbau des Schulzentrums I weitere Herausforderungen, ebenso die Auslotung neuer Wohngebiete über den Langen Rain hinaus.

Neujahrswunschgespräch

Beim diesjährigen Neujahreswunschgespräch konnte Bürgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich gleich vier Gesprächspartner zu einer lockeren Talkrunde auf der Bühne begrüßen, bei der es unter der Überschrift „Die Zukunft entschieden angehen“ um die Zukunft der Deutsch-Französischen Freundschaft ging. Die 15-jährige Französin Claire Meyer, Schülerin aus Guebwiller, sprach über ihre Gründe für das Erlernen der deutschen Sprache und ihre Entscheidung, als einzige in ihrer Klasse das deutsch-französische Abitur, das sogenannte Abi-Bac, zu machen, das in beiden Ländern als allgemeine Hochschulreife anerkannt wird. Claire Meyers Entschiedenheit und Engagement hatte die Bürgermeisterin bei ihrer Teilnahme an den Gedenkfeierlichkeiten zum Ende des Ersten Weltkrieges sehr beeindruckt, so dass sie sie zum Neujahrsempfang nach Müllheim eingeladen hatte. Ein überzeugter Europäer ist Guebwillers Bürgermeister Francis Kleitz, der auch in verschiedenen grenzüberschreitenden Gremien tätig ist sowie Mitglied im trinationalen Oberrheinrat ist. Er sieht in der Verabschiedung des Aachener Vertrags als Folgedokument für den Elysée-Vertrag eine Chance, die beiden Länder gerade am Oberrhein noch näher zusammenzubringen. Entsprechende Impulse versprechen sich davon auch Rektorin Barbara Dobuszewski und ihre Stellvertreterin Yvonne Spindler von der Michael-Friedrich-Wild-Grundschule, wo man bereits seit vielen Jahren ein zweisprachiges pädagogisches Konzept umgesetzt hat und gemeinsam mit der französischen Grundschule, der Ecole maternelle, die Zweisprachigkeit unter einem Dach lebt. Seit dem letzten Jahr ist die Grundschule zudem eine von nur 14 Grundschulen in ganz Baden-Württemberg, die einen bilingualen Zug vom Kultusministerium genehmigt bekommen hat. Einig waren sich alle Gesprächsteilnehmer, dass es nicht nur um das Erlernen der Sprache als solches gehe, sondern auch um die Notwendigkeit, die Kultur des Anderen kennenzulernen. Ziel sei es auch, sowohl Ausbildungs- und Arbeitsplätze diesseits und jenseits des Rheins grenzüberschreitend anzubieten und zu besetzen.

Showteil:
Den halbstündigen Showteil bestritt an diesem Abend Günter Fortmeier, der als Schattenspieler, Magier und Bauchredner das Publikum begeisterte. Der Träger des Kleinkunstpreises von Baden-Württemberg 2016 vermehrte nicht nur auf wundersame Weise Weinflaschen, sondern erweckte auch die Handpuppe „Rudi“ zum Leben und beeindruckte mit einem perfekten Schattenspiel, bei dem er nur mit den Händen Tiere und Menschen auf die Leinwand zauberte.